Neun Schmetterlinge weniger auf dieser Erde…

...nachdem die Raupen vorgestern in unseren Mägen gelandet sind.

Aber erst einmal alles der Reihe nach. Dieses Wochenende fand - neben Peking Ende August – leider schon mein letzter größerer Trip hier in China statt. Diesmal ging es Samstagfrüh nach Qingdao, der Stadt, nach der das leckere chinesische Tsingtao Bier benannt ist. Den wichtigsten Ort haben wir, bestehend aus meiner chinesischen Lieblingskollegin Sabrina, einer weiteren Deutschen und meiner Wenigkeit, gleich am ersten Tag besucht: das Tsingtaoer Biermuseum, wo es nachmittags gleich mal ein kleines Bierchen gab. Es ist schon immer wieder ein Genuss das Tsingtao Bier zu trinken. Nicht zu stark, aber auch nicht zu schwach. Gerade richtig. Nach der ersten Attraktion besuchten wir in den zwei Tagen, die wir dort waren, noch den berühmten Zhangqiao Pier, den XiaoYu Hill und die diversen „Strände“ in Qingdao. „Strände“ in Anführungszeichen deswegen, da es meiner Definition nach nicht wirklich welche waren. Beim Thema Strand erinnere ich mich doch lieber gerne an Hainan zurück. Kaum Menschen, weißer Sand, klares Meer, unendliche Weite...Jetzt fang ich schon wieder an zu träumen.

Das Bier in Qingdao schmeckte also, das Essen ebenfalls! Die vielen und günstigen Seafood Restaurants sind alle zu empfehlen. „Hen haochi!“ wuerde man hier sagen. Ich frage mich gerade wirklich, wieso ich in Deutschland noch nie Meeresfrüchte oder sonstiges gegessen habe. Dort wäre ich wirklich nie auf die Idee gekommen Aal, Tentakeln, Shrimps, Seesterne, kleine Hummer, kleine und etwas größere Muscheln etc. zu bestellen. Alles ist aber wirklich sehr zu empfehlen. Daheim bleibt man ja doch eher immer bei seinem guten und bekannten Fischbrötchen von der Nordsee, wenn man mal Fisch isst. Nicht einmal an Shrimps habe ich mich in Deutschland mal ran getraut. Eigentlich richtig schade. All die Jahre habe ich echt tolle Sachen verpasst, was mir hier erst richtig bewusst wurde. Es ist schon irgendwie erschreckend, wie eingegrenzt bzw. begrenzt man daheim ist. Zumindest traf das die ganzen letzten 22 Jahre auf mich zu. Ich bin immer lieber bei den alt bekannten Dingen geblieben und habe lieber nichts ausprobiert, obwohl auch neue Dinge gut und schön sein können. Man muss sich nur trauen, mal was anderes auszuprobieren und definitiv mehr Zeit den wirklich wichtigen Dingen des Lebens widmen. In seinem Alltagstrott war man dann doch schon sehr eingeschränkt, in seinem Denken und Handeln. Nun ja. Die Zeit kann man leider nicht zurückdrehen und somit versuche ich hier noch so viel wie möglich mitzunehmen. Deswegen habe ich ebenfalls gleich die Chance genutzt leckere kleine Tierchen zu essen, die ich schon ewig in China gesucht habe. In Qingdao gab es dann endlich einen Stand der DIE Snacks anbot, die ich schon immer probieren wollte: Heuschrecken, Seidenraupen, Puppen und noch andere kleine Insektenarten. Dachte ja, die gibt es hier überall in China, aber von wegen. Chinesen stehen dann doch lieber auf andere Delikatessen wie Chicken Feet und getrocknetes Fleisch. Wer somit mal nach Qingdao kommen sollte, muss unbedingt die berühmte SnackStreet dort besuchen und sich zu dem einzigen Insektenstand (wohl in ganz China) aufmachen. Besonders die Puppen waren spitze. Noch lebend kommen die auf den Grill, werden kurz scharf angebraten und sind somit außen knusprig und innen noch ein bischen „roh“. Sehr lecker und dazu auch noch gesund! Zu den anderen Sachen muss ich sagen: Waren ebenfalls knusprig, hatten jedoch nicht so wirklich einen eigenen Geschmack (außer dem Pfeffer, Salz und Chili, mit denen sie gewürzt wurden). Haben aber auch hervorragend geschmeckt, fast schon besser wie das Seafood, das es davor gab. Also auf jeden Fall ausprobieren, wenn ihr die Chance habt!

Jetzt ist auch schon wieder Dienstag und ich sitze in meinem Apartment in Shanghai. Die nächsten fünf Wochen hier werde ich noch so gut es geht genießen, bevor es dann für eine Woche nach Peking geht und dann auch schon viel zu früh nach Hause und ab ins „schöne“ Frankreich. Gerne würde ich noch ein paar Monate hier dranhängen. Die Zeit verging besonders in den letzten Wochen viel zu schnell, aber so ist das bei den schönsten Dingen ja immer so. Leider. Dennoch schicke ich erneut herzallerliebste Grüße ins (glaube ich) ebenfalls warme und sonnige Deutschland!

@Family: Gewöhnt euch schon einmal dran! Die Regenperiode ist seit diesem Wochenende ebenfalls vorbei in Shanghai und somit ist und wird es wieder richtig heiß werden.

P.S.: Ein paar Bilder vom Trip sind jetzt auch online. Wer entdeckt das Tannenzäpfle auf dem einen Foto? =)

20.7.10 00:38

bisher 2 Kommentar(e)     TrackBack-URL


Dad (20.7.10 21:01)
Liebste Yvonne,
diese Episode deines Aufenthalts gefällt mir besonders gut. Nein, nicht wegen des Biers, das man sich doch hin und wieder gönnt. Nein, auch nicht wegen der leichten Bierseeligkeit, die aus deinen Worten scheint.
Es sind die Zeilen über die Auffahrt in eine neue Dimension des Lebens. 22 Jahre sind deshalb noch lange nicht vertrödelt, weil man hin und wieder etwas ausgelassen hat. Es bleibt noch genügend Zeit, die Zukunft zu gestalten. Nimm sie dir, wage es, dich darauf einzulassen. China war und ist da sicher eine seht gute Erfahrung, gell?
Herzlichst
Dad


Yvonne (22.7.10 00:57)
China ist schon eine gute Erfahrung und ich will sie wirklich nicht missen. Die letzten Monate waren doch voller neuer Erfahrungen, Erkenntnisse...Und meiner Meinung nach können Chinesen und Deutsche aufgrund der doch etwas anderen Lebensweisen wirklich besonders viel voneinander lernen. Es ist wirklich nicht alles gut hier, aber einzelne Aspekte gestalten die Chinesen fast schon besser wie wir Deutschen.