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Immer wieder montags...

…kommt die Erinnerung (?): Wie schön doch wieder das Wochenende war. An meinem fast letzten freien Wochenende war ich wieder mal mit meinen zwei chinesischen Kolleginnen unterwegs. Erst einmal sind Sabrina, Mercury und ich für ein paar Stunden der 40Grad Hitze Shanghais enflohen und haben uns am Samstag ins kühle Nass begeben. Das war wirklich herrlich. Draußen herrschte wirklich so eine Schwüle, die auch die nächsten Wochen noch anhalten wird, und durch diesen kurzen Trip ins Schwimmbad bin ich nun auch stolze Besitzerin einer Badekappe. Somit hat sich der Ausflug doppelt gelohnt. =) Nach dem Schwimmen ging es dann auf die Shouning Lu, die berühmteste Straße hier für Hummer, Schrimps und sonstiges leckeres Seafood. Barbecue gab es dann auch noch dazu. Und wieder einmal musste ich feststellen, wie gut Meerestiere schmecken (wenn man die kleinen Hummer dann mal nach hart erkämpfter Arbeit aus der Schale befreit hat), aber gleichzeitig auch wie scharf das Essen in China wieder einmal sein kann. Bei den scharfen Schrimps brannte (übertrieben ausgedrückt) schon alleine die Zunge beim Berühren des Tieres. Zum Schutz der Kleidung bekam zu Beginn jeder erst einmal eine Plastikschürze umgebunden. Die war auch teilweise nötig. Dazu dann noch passende Plastikhandschuhe und schon ging es ans Knacken und Beißen der Meerestiere. Am besten war es wirklich, die Zähne fürs Aufknacken zu verwenden. Bei mir sah es trotzdem, glaube ich, anfangs ein bischen hilflos aus, aber man lernt ja nie aus im Leben und nach drei, vier kleinen Hummern hatte ich einigermaßen den Dreh raus. Es war aber total interessant zu beoachten, wie die kleinen Kinder am Nachbartisch, vielleicht so an die 7 Jahre (? Bei den Chinesen ist das immer so eine Sache mit dem Alter schätzen) die Hummer mit einer solchen Selbstverständlichkeit und Leichtigkeit geknackt haben. Echt der Wahnsinn... Gestern habe ich dann ebenfalls noch einmal China pur erlebt und das bei welcher Aktivität? Dem Shoppen, einer der Lieblingsaktivitäten der Chinesen. Erst einmal wurde man als Ausländer wieder einmal von vielen netten chinesischen Verkäufern begrüßt und sogar oft ein Stückchen auf seinem Weg begleitet. Obwohl ich mich nicht auf dem Fake Market befand, hörte man ständig „What do you want? Do you want watches, bags, DVDs? Do you need Chinese Clothes? Hey, what do you need?“. Schrecklich. Seit neustem haben diese Verkäufer nämlich auch die chinesische Einkaufsstraße, die Qipu Lu, ins Revier genommen. Dabei gehen manche sogar so weit, dass sie einen regelrecht „verfolgen“. Beste Methode um sie abzuwimmeln, bevor sie irgendwas sagen können, selbst „Bu yao“ (Brauche ich nicht) sagen und so wird man sie meistens gleich von Anfang an los. Die Methode funktioniert auch letzten Endes so gut, da man die Leute, die einem gefakte Uhren und DVDs verkaufen wollen, sofort erkennt, denn nur diese stehen so ganz „unauffällig“ im Gang herum, auf der Suche nach netten Ausländern, die sie anlabern können. Desweiteren habe ich wieder bemerkt, wie einfallsreich bzw. im Endeffekt fast schon idiotisch Chinesen sind. Die meinen tatsächlich mit einem Sticker auf der Hose wird diese um ein paar Nummern größer (?!). Guter Versuch, aber mittlerweile kenne ich euch Chinesen doch schon ganz gut! Lasst euch doch mal was Besseres einfallen! Sticker auf Klamotten, eine Schuheinlage in Schuhen, das kennen wir doch alles schon! Ihr könnt mir beim Einkaufen nicht mehr so leicht was vormachen. Wenn das mit dem Sticker dann nicht klappt, wird die Hose eben noch gestretcht und schon sieht sie im Vergleich zur vermeintlich kleineren Größe größer aus (?!). Anstatt einfach zu sagen, dass es sie nur in einer Einheitsgröße gibt, versuchen die Chinesen wirklich alles. Es wird nie aufgegeben, immer wird nach einem neuen Weg gesucht und dieser dann ausprobiert. Wenn der nicht klappt, dann versucht man eben einen anderen Weg. Manchmal führt aber keiner ans Ziel und somit bin ich dann nur mit ein paar Shirts nach Hause gegangen. Reicht auch. An Klamotten mangelt es mir hier wirklich nicht...

拜拜 Blog! 拜拜 上海! 拜拜 中国!

Das heißt es bald. Der erste Teil trifft heute schon zu. Die anderen folgen in nicht einmal mehr vier Wochen. Da ich in nächster Zeit nämlich noch so einiges vorzubereiten und zu erledigen habe, wird das nun mein letzter Eintrag hier sein. In eineinhalb Wochen kommt schon meine Familie, in drei Wochen werde ich zu meinen Kollegen und Shanghai 拜拜 (Baibai!) sagen müssen und in nicht einmal mehr vier Wochen (nach dem einwöchigen Familienaufenthalt in Beijing) heißt es dann auch 拜拜zu China. Jedoch bin ich mir jetzt schon relativ sicher, dass es zur passenden Zeit erneut zu einem fröhlichen 欢迎! (Huanjing!) kommen wird. Mich wird es definitiv wieder in den asiatischen Raum verschlagen, ob durch eine längere Reise oder erneut durch die Arbeit.

Ich muss zugestehen, anfangs war dieses Auslandspraktikum eher ein großes Abenteuer. Was wollte ich denn in China, in einer Kultur, die sich sehr stark von unserer unterscheidet? Die kleine Yvonne aus einer 4500 Seelengemeinde in der 20 Mio. Einwohnerstadt Shanghai? Wenn ich meine Zeit hier jedoch nach sechs Monaten so Revue passieren lassen, bereue ich keine Sekunde meiner Entscheidung und bin wirklich dankbar für die Möglichkeit, die ich hier erhalten habe. In den letzten sechs Monaten habe ich so einiges gesehen, mich an einiges gewöhnt bzw. auch gewöhnen müssen, mich hier aber dennoch, besonders durch die letzten Wochen, eingelebt, was mir den Abschied noch schwerer machen wird. Die Zeit hier hat mir einges gezeigt, die Chinesen haben mich auf für mich auf den ersten Blick unscheinbare Dinge aufmerksam gemacht und mir einiges aufgezeigt. Mir werden wirklich einige Dinge in Deutschland fehlen, schon alleine die Freundlichkeit und Gastfreundlichkeit, die mir von allen Seiten, besonders meiner Kollegen, entgegen gebracht wurde. Durch diese bleibt diese Zeit hier für mich wirklich unvergesslich.

Gleichzeitig habe ich aber auch gemerkt, dass in China bei weitem nicht alles gut läuft. In einer Riesenmetropole geht das zwar sehr stark unter, da Shanghai oft sehr stark anderen Großstädten wie NYC gleicht. Doch ich muss eigentlich nur meine Einkaufsstraße gegenüber meinem Apartment anschauen oder das Leben vieler Chinesen beobachten. Vieles ist nicht leicht hier. Allein in Shanghai werden, zum Beispiel, täglich Wohnsiedlungen plattgemacht, ohne den Bewohnern oft eine Entschädigung zu zahlen oder ihnen bei einer neuen Unterkunft zu helfen, und von den Shanghaier Mietpreisen schon ganz zu schweigen, die jeden Tag weiter in die Höhe schnellen. Ich bewundere wirklich, wie manche das alles so meistern und trotzdem einen so zufriedenen Eindruck machen, obwohl sie auch alle wissen, dass in ihrem Land noch so einiges getan werden muss, egal ob in politischer, wirtschaftlicher, kultureller oder erzieherischer Hinsicht.

Wenn man einmal eine längere Zeit hier lebt, versteht man einiges besser. Wieso sich, zum Beispiel, Chinesen in bestimmten Situation so oder so verhalten. Wieso sie sich oft nach deutschen Standards ganz ohne irgendwelche Manieren verhalten, was sich für sie als ganz normal darstellt. Aber um ganz hinter die Person eines Chinesen zu blicken, braucht man vermutlich Jahre und dann versteht man vielleicht erst rund die Hälfte der Kultur und das Verhalten der Chinesen wird einem in bestimmten Situationen immer noch „komisch“ erscheinen.

Jetzt freue ich mich aber erst einmal auf nächste Woche, in der ich meine Familie endlich in Shanghai begrüßen darf. Ich hoffe, dass ihr in der kurzen Zeit, in der ihr hier sein werdet, so viele Erfahrungen wie möglich macht, offen für alles seid und euch bei einigen Sachen nicht streut sie auszuprobieren. Wenn es eine Sache ist, die ich hier gelernt habe, ist es so viel wie möglich auszuprobieren, wenn man die Chance dazu hat. Chancen fliegen einem nicht jeden Tag zu und wenn sie mal da sind, soll man sie ergreifen, so wie euch nun die Tür für einen kurzen Aufenthalt in China eröffnet wurde. Und ich muss sagen, ich bin immer noch erstaunt und sehr glücklich darüber, dass ihr, Mama und Papa, dieses kleines Abenteuer mitmacht!

Alle anderen Blogleser grüße ich hiermit natürlich ebenfalls. Einige von euch werde ich hoffentlich in den paar Tagen, in denen ich daheim bin, ja kurz wiedersehen. Den restlichen wünsche ich schon jetzt eine erfolgreiche und ebenso spannende Zeit im Ausland (egal ob Australien, Schottland, Kanada, oder ein anderes fremdes Land) und euren diversen Praktika. Genießt die Zeit! Sie geht letzten Endes schneller rum als ihr denkt. Auf mich wartet ab September erst einmal Frankreich auf mich, das sicherlich ein Kontrastprogramm zu China darstellen wird. Ob dieses Kontrastprogramm von euch nun in einem positiven oder eher negativen Sinne ausgelegt wird, bleibt euch überlassen. Ich habe mich in dieser Hinsicht schon längst entschieden.

  上海!

Zum letzten Mal nochmals herzallerliebste Grüße aus Shanghai!

Eure akklimatisierte chinesische Tochter, Schwester und Freundin,

Yvonne