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Bodensee in China...

Dieses Wochenende war ich mit zwei chinesischen Kollegen in Hangzhou, der berühmtesten Stadt schlechthin in der Nähe Shanghais, unterwegs. Hangzhou ist in ganz China für seinen großen See, den chi hu (West Lake), berühmt, ähnlich wie der Bodensee bei uns in unserem schönen Ländle. Jeder kennt ihn und fast jeder war schon einmal dort. Um so viel Zeit wie möglich in Hangzhou verbringen zu können, ging es dann am Samstag schon um 6Uhr los, d.h. um 5 Uhr musste man aufstehen. Von wegen Chinesen schlafen gerne! Wenn sie etwas unternehmen wollen, sind die ebenfalls schon früh auf den Beinen. Nach einer wieder interessanten Zugfahrt (mit erneuten Chicken Feet zum Frühstück, die eine der Kollegen im Süßigkeitenladen gekauft hat) kamen wir dann in Hangzhou an und verbrachten dort zwei wunderschöne Tage mit ebenfalls wunderschönem Wetter – zumindest am zweiten Tag. Was haben wir dort alles gemacht? Longyin Tempel besichtigt, Hand in Hand (!) durch die Gegend gewandert (Die Chinesen sind echt rührend was das angeht), wieder lecker Chinesisch gegessen, Sonnenschein genossen, Fahrrad gefahren (Auf ganz alten klapprigen Gestellen mit einem Millimeter dicken Bremsbelegen, die Geräusche beim Bremsen konnte man aber gut als Klingelersatz verwenden. Die Chinesen sind echt clever: keine Klingel, keine Bremsbelege, aber trotzdem hat man das erstere), von der Leifeng Pagode die wunderschöne Aussicht genossen, uns auf dem See in einem Boot treiben lassen, die Wasserquelle Tiger Spring besucht, leckere Früchte gegessen, die Chinesen mit ihren Sonnenschirmen beobachtet, sich in die vollgestopften Busse gezwängt... Rundum also ein perfektes Wochenende zum wieder mal entspannen und erholen. Die Luft in den Wäldern und am See war einfach spitze. Perfekt um wieder Energie zu tanken.

Wieder einmal viele neue Erkenntnisse...

Das Wochenende war wieder einmal voller neuer und interessanter Erkenntnisse:

  1. Auch Schneider vermessen sich, obwohl sie eine Musterhose vorhanden haben. Tz…
  2. Beim Kleiderkauf fangen die Verkäuferinnen bei einem sehr hohen Preis an. Nur weil Expo ist? Ich bitte euch! Ich lass mich nicht so leicht veräppeln.
  3. Chinesen haben EINDEUTIG einen anderen Geschmack wie ich.
  4. Sie finden einen einfachen Bademantel sexy und würden den überall tragen.
  5. Oder andere sehr „schöne“ chinesische Kleider.
  6. Chinesische Frauen lassen sich kurz vor dem Hochzeitsfoto die Achseln rasieren und das vor einer Menge Zuschauer.
  7. Ich wunderte mich über ihre Klamotten, sie dagegen über meine.
  8. Hauptsache das Ergebnis stimmt und jeder ist zufrieden und glücklich und strahlt.
  9. Nach einem anstrengenden Tag geht man am besten Hot Pot essen.
  10. Dabei gibt es als Delikatesse das Innere vom Kuhmagen. Dieses muss man genau 10 Sekunden in die heiße Brühe halten. Nach alter chinesischer Tradition. Dann ist es fertig und schmeckt gar nicht schlecht! Muss man echt mal probiert haben.
  11. Im Bus befördern Chinesen sogar 10000 von Schuhen, das kannte ich bisher nur in kleineren Varianten in der Metro. Diese sind feinsäuberlich mit irgendwelchen Bändern umschlungen.
  12. In China ist nächste Woche eine 7 Tage Arbeitswoche. Danke, wollte schon immer einmal Samstag und Sonntag arbeiten!! Dafür haben wir am 14.-16. frei dank dem Dragon Boat Festival.
  13. Zu guter Letzt noch was für meine Familie: Wenn man persönlich im Hotel auftaucht, gibt es plötzlich Zimmer, die im Internet schon ausgebucht waren. In diesem Sinne: Hotel ist gebucht für euch!

Es geschehen doch noch Wunder....

Nach einer Reise über 3 Monate kam endlich die erste Karte an!! Die chinesische Post musste wohl die Adresse erst ins Chinesische übersetzen, wie es auf der Karte aussieht. Aber danke, Schwesterherz!!!

Fehlen dann nur noch zwei, über die wird sich wohl mein Nachmieter dann freuen...  =(

Eine Zugfahrt, die ist lustig, eine Zugfahrt, die ist schön…

Eine Vorwarnung, wenn ihr nicht viel Zeit zum Lesen habt, dann schaut euch einfach nur die Bilder an, die sind schon so aussagekräftig genug. Einfach atemberaubend..

Am letzten Sonntagabend ging es dann über Nacht ins weit weit entfernte Xi’an, die Hauptstadt der Provinz Shanxi. Eigentlich sollten nur 14 Stunden angepeilt werden, aber durch mehrere Zwischenstops irgendwo in der Pampa von jeweils einer halben Stunde hat sich das Ganze dann „leicht“ verzögert (16 Stunden Enge im Zug). Nun ja, die Chinesen waren da etwas geduldiger wie ich, aber was mich angeht: Ich war definitiv froh, am Montagmittag in Xi’an angekommen zu sein. So eine Zugfahrt auf nem Hard Seat schlaucht ganz schön. Zwar sind die Sitze nicht wirklich hart, aber dafür sitzt man mit fünf anderen Chinesen an einem Tisch, die sich ebenfalls wie ich so bequem wie nur möglich hinsetzen bzw. legen wollen. Feststellungen über die Nacht im Zug:

1.       Man kann hier für sage und schreibe 20 Euro über 1400km weit fahren. Gutes Preis-Leistungsverhältnis!

2.       Hard Seater sind gar nicht so schlimm wie gedacht, nachdem das mit dem Hard Sleeper leider nicht geklappt hat. Zur Info: In chinesischen Nachtzügen gibt es generell Soft Sleeper, Hard Sleeper, Soft Seats und Hard Seats. Soft Sleeper lohnen sich nicht, sind hier auch zu teuer für den Service den man letzten Endes kriegt. Hard Sleeper sind hier die beste Möglichkeit über Nacht zu reisen. Man hat dann eine Art „Bett“ und ein Abteil, das man sich zu 6. teilt. Da Hard Seats ebenfalls weich sind, sind letzteren die beste Möglichkeit für kurze Strecken, jedoch eigentlich nicht für weite, wie meine Reise nach Xi’an. Aber dafür war es gar nicht so schlecht.

3.       Und es könnte einen noch schlimmer treffen, wie im Zug festgestellt: In meinem Abteil standen auf jedem Quadratmeter Gang noch 3 Chinsesen, die wohl nur noch einen Stehplatz ergattert haben. Für die war die Fahrt echt der Hammer. Viele haben sich einen winzigen Hocker fur nen Euro gekauft, aber mussten jedes Mal mühsam aufstehen, wenn der „Schaffner“ mit seinem Süßigkeiten und Getränkewagen vorbeikam, was so ca. alle halbe Stunde der Fall war.

4.       Wundert euch bitte nicht, wenn ihr plötzlich einen Kopf auf eurer Schulter spürt. Das ist hier nichts Seltenes. Auf der Hinfahrt war es der Kopf einer netten alten Chinesin, auf der Rückfahrt von einem etwas dickeren Herrn. Beim letzteren habe ich noch versucht den Kopf aufzuhalten und bin immer weiter zu meinem anderen Sitznachbarn gerutscht. Das half aber nicht viel, der Kopf kam immer näher und näher...nur für meinen Kopf hat eine Schulter zum Anlehnen gefehlt.

5.       Es wird ebenso kräftig geschnarcht. Schrecklich...

6.       Geht bitte auch unbedingt vorher aufs Örtliche, wenn ihr in einem Abteil mit über 100 sitzenden und dann nochmal 50 stehenden Chinesen „schlaft“ und verkneift es euch bis zur Ankunft. Die Zugklos sind wirklich das schrecklichste, was ich bisher gesehen habe. Da sind die oft verdreckten örtlichen Toiletten in China ein Witz dagegen.

Soviel mal dazu. Ihr seht also: Zwei interessante und spannende, aber auch langweilige und nachdenkliche Nächte mit viel Musik hören, Kopfschütteln über die chinesische Mentalität etc. Auf den leider etwas verschwommenen Fotos habt ihr ein paar Eindrücke davon. Ich wollte schließlich meine chinesischen Freunde nicht unnötig mit einem Blitz stören, was die vermutlich auch nicht vom Schlafen abgehalten hätte.

Aber ich muss sagen, die Fahrt nach Xi’an hat sich echt gelohnt. Von all meinen Unternehmungen bisher war das das Beste überhaupt. Da wäre mal zuerst die Stadt an sich mit ihren kleineren Sehenswürdigkeiten wie dem Bell oder Drum Tower, der Ancient City Wall oder der Small und Big Wild Goose Pagoda. Was aber weitaus beeindruckender war, sind der Berg Mt Hua (Mt Huashan) und die Terrakotta Armee. Am zweiten sonnigen und wirklich heißen Tag in Shanxi (über 35 Grad, somit gefühlte 45 in der Sonne), ging es erst einmal auf den Mt Hua, etwa eine Stunde mit dem Zug von Xi’an entfernt. So einen Berg bzw. 5 Berge habe ich noch nicht gesehen. Einfach wunderschön. Mt Hua besitzt 5 Gebirgsspitzen, die man alle besteigen kann, d.h. man muss also rauf und runter und wieder rauf und runter wandern und das bei der Hitze! Viele Chinesen waren mit ihren Sonnenschirmen wieder gut fur die Hitze vorbereitet, jedoch musste man diese die meiste Zeit einklappen, da die Wege kaum fur zwei Personen ausgereicht haben, so eng waren diese manchmal. Hoffe ihr könnt das anhand der Fotos nachvollziehen. Es war echt nicht leicht, die besten rauszusuchen. Habe wieder einmal viel zu viele gemacht. Die Wege waren nicht nur eng, sondern auch sehr sehr steil an manchen Stellen. Da kam man sehr leicht aus der Puste. Da musste ich doch ganz schön schnaufen. Beim Soldiers Trail, der Heavens Ladder oder dem Cliffside Path konnte man unter anderem dann seinen Mut unter Beweis stellen. Der Soldiers Trail führt z.B. direkt vom Tal bis auf die Nordspitze hinauf. Allein diesen Weg zu bestreiten dauert 4 bis 6 Stunden. So viel Zeit blieb natürlich nicht und somit nahm ich ganz bequem die Seilbahn nach oben, da das eigentliche Wandern erst oben so richtig begann. Und da fing das Schwitzen und in der Sonne bruzeln erst an. Aber diesmal keinen Sonnenbrand (worauf ich unendlich stolz bin)!! Dafür aber abgelaufene Füße, die abends nach 7 oder 8 Stunden so richtig weh taten...

Am letzten Tag besuchte ich dann noch schnell die Terrakotta Armee, die in einer Stunde mit dem öffentlichen Bus zu erreichen war. Und das war echt atemberaubend zu sehen. Für manche Amerikaner war es sogar nach ihren Aussagen „spirituell“. 2000 Terrakottasoldaten ausgestellt auf einer riesigen Fläche. Der Ausflug dorthin hat sich ebenfalls gelohnt. Neben den Soldaten gab es auch noch unter anderem die zwei großen Marionetten von der Eröffnungsfeier der Olympischen Spiele 2008 in Peking zu bewundern. Doch nichts gegen meinen wunderschönen Mt Hua, der war wirklich eine Bereicherung auf meinen Reisen in China.

Direkt am frühen Mittwochabend ging es dann direkt wieder zurück nach Shanghai. Ebenfalls wieder mit eineinhalb Stunden Verspätung kam ich am Donnerstagvormittag an und dann ging es gleich zur Arbeit. Man muss ja Urlaubstage freihalten für Ende August...

Daheim wurde ich dann wie oben schon geschrieben von einer lieben Karte begrüßt, die nach dem Übersetzen der Adresse auch endlich bei mir ankam. Danke dafür!

Das war so weit von mir. Dieses Mal ist es wieder ein wenig mehr zu lesen. Aber wenn ihr mal nach China kommen solltet, müsst ihr unbedingt nach Xi’an gehen. Die werben dort sogar mit dem Spruch: You haven’t been to China, if you haven’t visited Xi’an.

Nun ja, ich geh dann jetzt mal besser ins Bett. Morgen geht es wieder auf einen Tagesausflug. Diesmal in die Nähe von Wuxi, zur Lingshan Buddastatue, die wohl in ihrer Größe ungefähr so hoch ist wie die Freiheitsstatue in New York. Ich bin gespannt...

PS: Seid bitte nicht traurig. Deutschland wird das Spiel am Mittwoch gewinnen und dann ist wieder alles in Ordnung. Ich konnte mich dann heute von einem leckeren Schnitzel und einem guten Bier im Munich Beer House trösten lassen. Das war mal sooo lecker…

In 14 Stunden um die Welt…

… ging es für mich am vergangenen Samstag, als ich mich mal ins Getümmel der EXPO getraut habe. Laut einer chinesischen Kollegin waren wieder über 480000 Besucher vor Ort, darunter 4799999 Chinesen und eine Deutsche. So kam es für mich wenigstens vor, denn so viele Chinesen habe ich noch nie auf einem Fleck gesehen. Nun ja, als man endlich im wirklich großen Areal war, hieß es an vielen Pavillons Schlange stehen. Wenn man Gerüchten Glauben schenken soll, liegt der aktuelle Rekord bei 9 Stunden für den Oil Pavillon, in dem ein kurzer 4D gezeigt wird. DAS habe ich natürlich nicht gemacht. Manchmal waren 5 Minuten anstehen sogar schon vergeudete Zeit, da die meisten Pavillons meiner Meinung nach eher wenig zu bieten hatten. „Außen hui, Innen pfui!“ hieß das Motto wirklich bei vielen. Architektonisch waren einige echt sehenswert. Die Ausstellungen innendrin dann eher nicht. Welche Zwischenstopps habe ich nun auf meiner Weltreise eingelegt? Hier nur mal ein paar bekannte Länder:

Deutschland (mit deutschen Passport kommt man zum Glück durch den VIP Eingang rein, sonst heißt es ebenfalls mind. 4 Stunden anstehen)

Australien

Indonesien

Malaysia

Tunesien

Neuseeland

Kanada

Portugal

Finnland

USA (ebenfalls mit kurzem 4D Filmchen)

Und Südafrika durfte natürlich auch nicht fehlen.

Abschließend muss ich sagen, dass die EXPO wirklich sehr überlaufen ist, besonders von der chinesischen Bevölkerung. Ab 19Uhr waren die Schlangen jedoch endlich etwas kürzer, so dass man bis 24Uhr noch ein paar Pavillons besuchen konnte. Aber ein zweites Mal antun muss ich mir das wirklich nicht. Da gibt es wirklich wichtigere Sachen zu tun.